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Liebe auf den ersten Blick!

Autor: Viola | Datum: 08 September 2012, 09:19 | Kommentare deaktiviert

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Es sechs Dinge, denen ich mir zu hundert Prozent sicher bin:

1.    Ich werde als Kugel zurückkommen!

2.    Ich werde nie wieder beschließen, einen Klebestreifen gegen Insekten aufzuhängen, weil außer mir sowieso nichts und niemand daran kleben bleibt!

3.    Für öffentliche Verkehrsmittel bin ich definitiv zu groß!

4.    Kuhhaut wird mein persönlicher Kaugummi Ersatz für dieses Jahr!

5.    Niemals wieder werde ich die Hintertür meiner Wohnung öffnen und mir ein weiteres Mal einen erbarmungslosen Zweikampf mit Hündin Katrin liefern, der ich locker die Tollwut zutrauen würde!

6.    Ich bin unglaublich glücklich, hier zu sein!!!

 

Zu Beginn einmal kurz und knackig die wesentlichen Informationen:

Ich wohne auf einem Gelände der Kirche (GKJW) und habe meine eigene Wohnung mit Riesenbett, welches zugleich als Kleiderschrank fungiert. Nächste Woche beginnt mein Sprachunterricht in der Stadt. Gegen Anfang Oktober werde ich in eine Familie wechseln. Das Jahr über werde ich in den verschiedenen Bereichen der GKJW arbeiten. Neben dem HIV- Aidsprojekt gibt es noch die Arbeit im Krankenhaus und in der Schule. Mal sehen, wohin es mich zuerst verschlägt… Smile

Nun zu meiner „Liebe auf den ersten Blick“: Malang! Nach Surabaya die zweitgrößte Stadt in West Java, wobei über fünfzig Prozent der Bevölkerung Studenten abgeben. Hier ist was los, sag ich euch!!!

Haupttransportmittel ist das Motorrad, auf dem beliebig viele Leute Platz nehmen, teilweise sogar ganze Familien. Dann werden die Kleinen einfach auf die Oberschenkel der Eltern gestellt oder vors Lenkrad geklemmt (meist ohne Helm) und ab geht die Lutze! Zudem fährt hier jeder wie er will: kreuz und quer, von links nach rechts, rückwärts, vorwärts, übereinander, untereinander… Somit wird jedes Straße überqueren zum echten Survival- Abenteuer. Seit ich hier bin sind wir schon mehrmals mit dem Motorrad durch die City gecruist (ich natürlich hinten drauf) und ich liebe es!!! Ein ebenfalls beliebtes Transportmittel sind die kleinen Tuk Tuk- Fahrer oder kleine Busse, die schätzungsweise für acht Personen ausgerichtet sind, aber einfach frei nach Laune mit x-beliebig vielen Personen vollgequetscht werden. So habe ich bereits eine äußerst unangenehme Fahrt vorne im Bus auf dem Schaltknüppel hinter mir, weil ansonsten nirgends mehr Platz war. Mit dem Hupen ist es in etwa so, wie in Deutschland mit dem Schimpfen über das Wetter: Es wird ganz ungeniert immer und überall getan egal, ob nun tatsächlich angebracht oder nicht.

Neben dem Verkehr ist aber auch der Tagesrhythmus gewöhnungsbedürftig. Aufgestanden wird um fünf (Ich sag nur: carpe diem!), wobei ich es meistens nicht vor sechs aus dem Bett schaffe. Abends schläft man gegen zehn. Es sei denn, man wird wie ich jede Nacht von Stechmücke Dante aufgesucht, die provokant geräuschvoll ihre Kreise zieht und stets ihre Spuren hinterlässt- Tolle Kunstwerke auf meinen Beinen!

Apropos Uhrzeit, wie spät ist es gerade eigentlich genau?! Ich werde es wohl nie erfahren, weil mir hier jede, wirklich jede Uhr eine andere Zeit präsentiert (teilweise um die zwanzig Minuten Unterschied). Irgendwie scheint das aber niemanden so wirklich zu stören, also habe auch ich aufgegeben, meine Uhr permanent neu anzupassen. Zum Treffen formuliert man einfach einen schwammigen Zeitraum. Pünktlichkeit wird sowieso allgemein überbewertet…

Essen hingegen ganz und gar nicht! Hier wird einfach ständig gegessen, VIEL und lecker!!! Dabei ist eines ganz entscheidend: Eine Mahlzeit geht nur als solche durch, wenn Reis dabei ist. Ein Essen ohne Reis ist wie Deutschland ohne Bier: undenkbar!

Ansonsten kommt mein Indonesisch so langsam aus den Startlöchern und der Wortschatz wächst. Leider reicht es noch nicht aus, um alles zu verstehen und so begebe ich mich des Öfteren in die abenteuerlichsten Situationen. Ein Beispiel: Letzte Woche Sonntag wurde ich mit zum Gottesdienst genommen, der hier um sieben Uhr beginnt und etwa zweieinhalb Stunden lang ist. Es wird viel und lange gepredigt, gesungen und gebetet (ein bisschen wie die unendliche Geschichte). Parallel zum Gottesdienst gibt es hier die Sonntagsschule für Kinder und Jugendliche, an deren Treffen ich nach dem Gottesdienst teilgenommen habe. Erste Bekanntschaften mit Gleichaltrigen habe ich dann auch schon gleich gemacht und wurde, wie überall hier, sofort freundlich aufgenommen. Dann wurde eine Frage an mich gestellt, die ich jedoch nicht als solche aufgefasst habe und einfach fröhlich nickend und nichts ahnend zugestimmt habe. Entsprechend verdutzt war ich als ich später erfuhr, dass ich soeben zugesagt hatte, für den kommenden Sonntag die Leitung einer Gruppe zu übernehmen. Na, herzlichen Glückwunsch! Irgendwie hab ich es dann aber doch noch geschafft, fürs erste lediglich die Vorstellung, Programmansagen und die Musik zu übernehmen (alles auf Indonesisch!). Ich trällere in meiner Freizeit also fleißig indonesische Lieder vor mich hin und mache dem Moschee- Gesang von nebenan deutliche Konkurrenz!

Neben den kleinen Kommunikationsschwierigkeiten fühle ich mich hier manchmal wie ein Elefant im Porzellanladen und das nicht nur rein optisch gesehen (Ich bin mit 1,71 Metern Höhe ein Riese!). Das Porzellan steht für die unzähligen Fettnäpfchen, in die ich hier Tag täglich ordentlich reintrete und deren Anzahl mittlerweile schon so zahlreich ist, dass ich das Zählen aufgegeben habe. So habe ich zum Beispiel im Waschbecken einer Familie geplantscht, weil ich die Dusche als solche nicht identifizieren konnte und aufgrund eines Missverständnisses einer älteren Dame die Schuhe geklaut- ganz großes Kino!

Zeitweilig fühle ich mich dann wiederum ein bisschen wie ein Wanderpokal, da ich hier buchstäblich herumgereicht werde und mehr Nächte in anderen Familien verbringe, als in meiner eigenen Behausung. Auch wenn ich mich manchmal ein bisschen überrumpelt fühle, sehe ich das als tolle Gelegenheit, die Kultur, die Verhaltensmuster und Gewohnheiten der Menschen hier besser kennenzulernen und hoffentlich etwas von meinem Elefantendasein abschütteln zu können. Außerdem habe ich dadurch bereits das Leben auf dem Dorf kennengelernt und viel von der wundervollen Landschaft, den Reisfeldern und Bergketten gesehen.

Ich bin jetzt seit gut einer Woche hier und kann nur sagen: Ich habe mich vom ersten Augenblick an wohl gefühlt und genieße mein Abenteuer in vollen Zügen, mit allem, was dazu gehört!

Eins kann ich euch versichern: Es bleibt spannend!

Liebste Grüße und bis demnächst,

eure Vio

PS: Kommentare, Fragen etc. könnt ihr hier gerne jederzeit loswerden! Ach und, Kartoffeln gibt’s hier übrigens auch! Ist das nicht fantastisch?! Smile Von wegen Ade